Archiv für August 2009

El Corte Inglés bricht ein, 100.000 Beschäftigte haben Angst

Samstag, 29. August 2009

Krise in Spanien, Krise beim Konsum, Krise also auch bei El Corte Inglés. Das beliebte Kaufhaus machte 2008 ein Minus von 47 Prozent.

Die bittere Wahrheit wurde jetzt bekannt gegeben, so die Zeitung “El País”.

Vor allem bitter: Selbst Preisnachlässe und die zinslose Finanzierung der Waren konnte die Talfahrt nicht stoppen. Die Spanier kaufen einfach nicht mehr ein.

Einen derartigen Einbruch hat die größte spanische Einkaufskette noch nie erlebt. Rund 100.000 Beschäftigte zittern deshalb derzeit, aber das Unternehmen hat bereits angekündigt, keinen einzigen von ihnen zu entlassen - obwohl in Spanien in den vergangenen zwölf Monaten rund 36.000 Geschäfte Pleite gingen.

Zu dem Unternehmen gehören auch Ketten wie Hipercor, Supercor, Opencor, Sfera und Bricor.

Trotz der Krise führt El Corte Inglés noch immer die Liste der verkaufsstärksten Häuser Europas an, gefolgt von Mark & Spencer und Galeries Lafayette.

420-Euro-Aktion ein Flop? Nur 5.000 Arbeitslose machen mit

Donnerstag, 27. August 2009

Viele Worte, nichts dahinter? Die groß angekündigte neue Arbeitslosenhilfe von 420 Euro scheint ein Flop zu werden.

Spaniens Arbeitsminister Celestino Corbacho gab jetzt bekannt, dass im August nur 5.000 Menschen von den 420 Euro profitierten. Insgesamt hätten aber rund 85.000 darauf Anspruch, weil nach dem 1. August ihre reguläre Arbeitslosenhilfe ausgelaufen ist.

Laut Corbacho wurden alle diese Personen per Brief oder SMS von der neuen Hilfe informiert. Das meldet die Zeitung “El Mundo”.

Hotel-Krise: Auch die Deutschen lassen Spanien im Stich

Montag, 24. August 2009

Überall wird die Krise für beendet erklärt, aber im Hotelsektor Spaniens ist davon keine Rede. Im dritten Monat in Folge meldet die Branche fallende Gästezahlen.

Trotz massiver Preisnachlässe fiel die Auslastung in Spanien im Juli im Schnitt um 5,5 Prozent, verglichen mit dem Vorjahr, so die Zeitung “El Mundo”. Die Preise fielen im gleichen Zeitrum um 6 Prozent.

Insgesamt übernachteten im Juli 32,9 Millionen Menschen - was sich viel anhört, aber im dritten Monat in Folge einen Rückgang bedeutet.

Deutschland trug mit 9,5 Prozent weniger Touristen wesentlich zum Abstieg Spaniens bei, auch England ließ die Spanier im Juli sitzen (- 11,5%).

Die meisten Urlauber kamen wie gehabt auf die Balearen, gefolgt von Katalonien und den Kanaren.

Was denn jetzt: 420 Euros nur Propaganda für Zapatero?

Donnerstag, 20. August 2009

Spaniens Sozialisten mal wieder in der Kritik - und Arbeitsminister José Blanco hat sich entschuldigt, wenn auch nur schwach. Denn die Verwirrung um die 420 Euro Arbeitslosenhilfe ist in Spanien derzeit größer als ihr Nutzen.

Seit Montag können sich Spanier, die kein Arbeitslosengeld mehr bekommen, 420 Euro vom Staat holen - wenn sie es denn geschickt anstellen.

Aber am Montag kehrten hunderte Arbeitslose, die sich auf Geld gefreut hatten, mit leeren Händen nach Hause zurück. Das berichtet die Zeitung “El Mundo”.

Denn die Regierung hatte in der Sommerhitze wohl ganz vergessen zu sagen, dass die Hilfen nur für solche Arbeitslosen gewährt werden, die nach dem 1. August ihren Anspruch auf die Arbeitslosenversicherung verloren haben und die nicht älter als 65 Jahre sind. Arbeitslose, die erst nach dem 15. Februar 2010 ihr Arbeitslosengeld verlieren, schauen ebenfalls in die Röhre.

Volkspartei PP schäumt: “Schlag ins Gesicht der Arbeitslosen”

Blanco erklärte: “Natürlich müssen alle, die das Geld beanspruchen, diese Anforderungen erfüllen.” Seit Montag sind die nun auch spätestens den Spaniern bekannt. Blanco weiter: “Wir werden uns anstrengen, demnächst besser zu informieren.”

Die oppositionelle Volkspartei PP schäumt: “Das ist ein Schlag ins Gesicht der vier Millionen Arbeitslosen in Spanien. Zapatero hatte angekündigt, die Probleme der Arbeitslosen lösen zu wollen, und jetzt das.”

Auf die Idee, sich das neue Gesetz vorher genauer anzuschauen, kam aber auch die PP nicht.

In Spanien sind derzeit laut “El Mundo” genau 1.235.821 Arbeitslose ohne jede staatliche Unterstützung. Rund 340.000 Menschen könnten irgendwann einmal von den 420 Euro profitieren, die seit Montag ausgelobt werden.

Arbeitslose jubeln: 420 Euro vom Staat gegen die Krise

Donnerstag, 13. August 2009

Und da sage nochmal einer, in Spanien gäbe es keinen Sozialstaat!

Die spanische Regierung will am Donnerstag ein neues Gesetz erlassen: Demnach werden Arbeitslose, die keine Stütze mehr bekommen, in Zukunft 420 Euro Hilfe vom Staat erhalten.

Wie Arbeitsminister Celestino Corbacho vorrechnet, könnten davon derzeit rund 300.000 Menschen profitieren.

Bislang zahlt der Staat nämlich nach dem Auslaufen der Arbeitslosengeldes (meistens ein Jahr) keinen Pfennig. Die neue Hilfe soll ein halbes Jahr lang gezahlt werden, die Gewerkschaften wollen eine Laufzeit von einem Jahr.

Die Regierung trifft sich zu diesem “Anti-Krisen-Paket” mitten im August, also mitten in den spanischen Ferien.

Und wo man schon mal zusammen ist, soll auch noch über die Schäden der jüngsten Waldbrände debattiert werden. Auch für die schlimmsten Brandgebiete hatte die Regierung nämlich Hilfen zugesagt.

Penélope Cruz, die Krise und die spanische Lösung: Nie aufgeben!

Mittwoch, 12. August 2009

Improvisationskunst, Gelassenheit, Familiensinn, Solidarität, Spiritualität … in Pedro Almodóvars Film “Volver” zeigen spanische Frauen, wie man im 21. Jahrhundert auch ohne feste Anstellung, Kündigungsschutz, soziale Absicherung und Hartz IV überleben kann - und auch noch ganz gut dabei aussieht.

Als der Film im Jahr 2006 gedreht wurde, gab es noch keine globale Finanzkrise. Aber knappe Kassen, schlecht bezahlte Jobs, gewalttätige Ehemänner, kaum soziale Sicherheit und heiße Winde, die Häuser in Brand setzen können, gab es in Spanien damals schon. Spanien, so scheint es, ist also auf die Krise seit langem vorbereitet, mental zumindest und im Kino.

Umso schöner, dass der Film am Dienstag im deutschen RBB nochmal gezeigt wurde. Denn Volver ist - im Gegensatz zu den jüngsten selbstverliebten Nabelschauen Almodóvars - ein Film mit hohem praktischem Nutzen für den Zuschauer.

Wie man das in Spanien oft erleben kann, wird in Volver ein gescheitertes Geschäftsmodell (Ehe) im Nullkommanichts durch ein anderes (selbständiges Unternehmertum) ersetzt, ohne lange beim Arbeitsamt nachzufragen.

Und es ist genau das, was man von den Spaniern lernen kann. Egal, ob Schweinegrippe, ETA-Bomben, Arbeitslosigkeit (bald 20 Prozent), Waldbrände, Schulden oder andere Stolpersteine: In Spanien geht das Leben weiter, meistens auch noch gut gelaunt.

Schweinegrippe in Spanien? Nicht in den Eisdielen von Benidorm!

Montag, 3. August 2009

Viele Deutsche haben derzeit richtig die Krise wegen Spanien und der Schweinegrippe.

Fast alle möchte man meinen, denn man kann es von der volkstümlichen “BILD” bis zur intellektuellen “ZEIT” lesen: Spanien ist gefährlich. Zum einen, liest man, weil sich dort die Menschen ständig küssen, selbst zur Begrüßung. Und dann waschen sich nie die Hände und sind auch sonst recht unvorsichtig. Kurz: Spanien ist das ideale Brutgebiet für das Schweinegrippen-Virus.

Gibt es ein idealeres Brutgebiet als Benidorm, die Millionen-Stadt im Sommer? Die SAZ hat den Test gemacht. Willkürlich wurden Anfang August, also mitten in der Hauptsaison, vier Eisdielen in der City und am Strand besucht. Geküsst hat sich so gut wie niemand, jedenfalls auch nicht mehr als beim Italiener in Köln um die Ecke. Und - oh Wunder - die Seifenspender waren voller Seife.

Die Theorie der deutschen Gazetten kann also getrost als widerlegt gelten. Aber auch nicht so ganz. Denn im nächsten Irish Pub in der zweiten Strandreihe war der Seifenspender leer. Und die Iren, das war zwischen zwei Guinness zu beobachten, liegen sich ständig prustend und prostend in den Armen - selbst dann, wenn sie nur beim Darts die Doppel-Neun getroffen haben.

Haben wir es nicht geahnt! Der Teufel hat den Schnaps gemacht … Da also kommt die Schweinegrippe her!

Deshalb der SAZ-Tipp der Sommersaison 2009: Eisdielen hui, Bierhöllen pfui!

Als Kinder hatten wir das auch schon gewusst, oder?

Gruß
Wilhelm Wagner